Open Gender Journal (2026) | Rubrik: querelles-net: Rezensionen
Rezension von Jutta Bichl
Rezension zu Altenberger, Sandra (2025): Geschlechtergerechtigkeit und Global Citizenship Education. Eine postkolonial-feministische Subjektkartographie.
Bielefeld: transcript.
276 Seiten, ISBN: 978-3-8376-7722-5, 44,00 € (Print).
Altenberger untersucht aus postkolonial-feministischer Perspektive, inwiefern koloniale Denkmuster in Konzepten der Global Citizenship Education (GCE) fortbestehen. Die zentrale Forschungsfrage richtet sich darauf, wie vergeschlechtlichte Subjektpositionen in der Konzeption von UNESCO-Dokumenten zu GCE diskursiv erzeugt werden und wie dies mit der Reproduktion kolonialer Machtverhältnisse zusammenhängt. Die Ergebnisse der Arbeit zeigen auf, dass Ansprüche der GCE-Dokumente auf eurozentrischen Vorstellungen bauen und damit auch hierarchisierende Deutungsmuster reproduziert werden. Die grundlegenden Konzepte bleiben in koloniale, rassifizierende und neoliberale Logiken und Muster eingebunden. Durch postkoloniale Ansätzen wird Bildung als diskursiver Raum geöffnet, in dem ebendiese Strukturen und (Wissens-)Ordnungen (kritisch) analysiert werden können.
Schlagworte: Bildung, Dekonstruktion, Diskurs, Feminismus, Postkolonialismus
Zitationsvorschlag: Bichl, J. (2026). Global Citizenship Education kritisch gelesen. Koloniale Kontinuitäten und feministische Interventionen: Sandra Altenberger: Geschlechtergerechtigkeit und Global Citizenship Education. Eine postkolonial-feministische Subjektkartographie. transcript 2025. Open Gender Journal, 10. https://doi.org/10.17169/ogj.2026.456
Copyright: Jutta Bichl. Dieser Artikel ist lizensiert unter den Bedingungen der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de).
DOI: https://doi.org/10.17169/ogj.2026.456
Eingereicht am: 15. Mai 2026
Angenommen am: 02. Juli 2026
Veröffentlicht am: 10. August 2026
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In ihrer Monographie „Geschlechtergerechtigkeit und Global Citizenship Education. Eine postkolonial-feministische Subjektkartographie“ untersucht Sandra Altenberger, wie sich kolonial geprägte Denkmuster in aktuellen Konzepten und Praktiken der Global Citizenship Education (GCE) fortsetzen und wirksam sind, und zwar konkret in UNESCO-Konzepten. Unter GCE wird ein ganzheitlicher Bildungsansatz verstanden, der Menschen dazu befähigen soll, verantwortungsbewusst in einer global vernetzten Welt zu handeln. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf geschlechtlich codierten Subjektpositionen. Im Fokus stehen die Sichtbarmachung essentialistischer Kategorisierungen und deren Erscheinungsformen sowie die kritische Hinterfragung und Reflexion postkolonialer Strukturen von GCE. Von besonderem Interesse dieser Arbeit sind jene Prozesse, durch die vergeschlechtlichte Subjektpositionen hervorgebracht werden, inklusive der damit verbundenen Dynamiken. Dabei richtet die Autorin den Blick auf Spannungen, Ambivalenzen und Widersprüche innerhalb von GCE und folgt der Frage, inwiefern sich koloniale Kontinuitäten in aktuellen Diskursen fortschreiben und wie diese sichtbar gemacht und kritisch problematisiert werden können, ohne dabei die möglichen emanzipatorischen Potenziale von GCE aus dem Blick zu verlieren.
Altenbergers Anliegen ist es, Uneindeutigkeiten ernst zu nehmen, diese analytisch nachzuzeichnen und dabei die in der UNESCO-Konzeption von Global Citizenship Education enthaltenen Widersprüche zwischen emanzipatorischem Anspruch und westlich-liberaler Normativität sichtbar zu machen. Dadurch werden scheinbar stabile Bedeutungen zentraler Begriffe wie „globale Bürgerschaft“, „Geschlechtergerechtigkeit“ oder „Entwicklung“ hinterfragt, indem sie als historisch und machtpolitisch geprägte Konstrukte ausgewiesen werden. Durch diese Perspektive wird ein Fokus auf Spannungsfelder gelegt, die sich insbesondere zwischen universellen Ansprüchen und unterschiedlichen kulturellen und historischen Kontexten, zwischen dem Anspruch auf Befreiung und der gleichzeitigen Einbindung in normative Steuerungslogiken sowie zwischen dem Ziel gleicher Rechte und der Betonung von Unterschieden ergeben. Diese tragen dazu bei, verfestigte Selbst- und Weltbilder zu destabilisieren und dadurch neue Denk- und Handlungsräume zu eröffnen.
Theoretisch verortet die Autorin ihre Studie an der Schnittstelle von postkolonialem Feminismus, marxistischen Gesellschaftsanalysen sowie Theorien der Globalisierung und Global Citizenship Education. Besondere Bedeutung kommt den Arbeiten von Oliveira Andreotti, Judith Butler, Nikita Dhawan und Gayatri Chakravorty Spivak zu, deren Überlegungen Altenbergers Analyse kolonialer Kontinuitäten, vergeschlechtlichter Subjektkonstitutionen und globaler Machtverhältnisse rahmen. Auf dieser Grundlage entwickelt sie eine kritisch-postkoloniale Perspektive auf GCE, die universalistische Bildungsverständnisse sowie deren implizite Macht- und Wissensordnungen hinterfragt. In ihrem Zusammenspiel ermöglichen diese theoretischen Perspektiven, GCE nicht als normatives Bildungsprojekt, sondern als diskursive Praxis zu analysieren, in der koloniale Kontinuitäten und vergeschlechtlichte Subjektpositionen hervorgebracht und stabilisiert werden.
Methodisch verbindet Altenberger Ansätze von Jacques Derrida und Michel Foucault, indem sie Foucaults Diskurstheorie mit Derridas Dekonstruktionsbegriff produktiv verschränkt und dadurch sowohl die historische Wirkmächtigkeit von Diskursen als auch ihre innere Instabilität in den Blick nimmt. Das Besondere am Zusammendenken von Foucault und Derrida in diesem Kontext liegt darin, dass Diskurse einerseits als machtvolle Ordnungen von Wissen und Subjektivierung (Foucault) und andererseits als durch innere Differenzen, Brüche und Unentscheidbarkeiten gekennzeichnete Strukturen (Derrida) gelesen werden können. Dadurch lassen sich nicht nur stabile Bedeutungsordnungen rekonstruieren, sondern zugleich ihre Voraussetzungen, Ausschlüsse und Widersprüche sichtbar machen. Der erkenntnistheoretische Mehrwert dieser Verbindung besteht somit darin, dass sowohl die produktive Macht von Diskursen als auch ihre prinzipielle Instabilität analysierbar werden und sich binäre Strukturen nicht nur beschreiben, sondern in ihrer Ambivalenz und historischen Kontingenz dekonstruieren lassen. „Für eine postkolonial-feministische Analyse ist der dekonstruktivistische Ansatz vor allem deshalb zentral, weil es mit ihm gelingen kann, starre binäre Schemata aufzuspüren und zu dekonstruieren, das bedeutet, die Ambivalenzen und Komplexitäten binärer Schemata sichtbar zu machen.“ (S. 100)
Ergänzend werden deutliche Bezüge zu Edward Saids kolonialer Diskursanalyse sichtbar, die sich als verbindendes Element zwischen Theorie und Methode verstehen lässt: Saids Ansatz macht koloniale Wissensordnungen als historisch gewachsene, machtförmig strukturierte und bis in gegenwärtige Bildungsdiskurse hineinwirkende Repräsentationssysteme analysierbar und ermöglicht damit die Übertragung postkolonialer Kritik auf die Analyse aktueller Bildungskonzepte wie Global Citizenship Education.
Als empirische Grundlage dienen zentrale Dokumente der UNESCO zur GCE wie die „Education for All & Global Eduaction Monitoring Reports“, Grundlagendokumente zu Global Citizenship Education, Dokumente zu „Education as a tool to prevent violent extremism“, zu „Promoting the rule of law through GCE“ sowie zu „Education about the Holocaust and Genocide“. Im Umgang mit diesem doch umfangreichen Dokumentenkorpus verfolgt Altenberger ein interpretativ-rekonstruktives Vorgehen, das diskursanalytische und dekonstruktivistische Perspektiven verbindet. Die Dokumente werden nicht als neutrale Quellen oder Abbildungen gesellschaftlicher Realität gelesen, sondern als diskursive Praktiken, in denen Bedeutungen hergestellt, stabilisiert und mit Machtverhältnissen verknüpft werden. Im Zentrum steht die Rekonstruktion jener Narrative, durch die vergeschlechtlichte Subjektpositionen und koloniale Kontinuitäten hervorgebracht und normalisiert werden. Dabei orientiert sich die Autorin an Spivaks Konzept der „affirmativen Sabotage“ (Spivak 2012), das Analyse, Kritik und Revision als ineinandergreifende Schritte eines zirkulären Forschungsprozesses versteht. Anstatt nach einer vermeintlich eindeutigen Aussage der Texte zu suchen, liest Altenberger diese auf Brüche, Ambivalenzen und Widersprüche hin. „Dekonstruktion stellt damit kein eindeutiges methodisches Verfahren dar, das zu einer konkreten Anwendung führt, vielmehr geht es um eine Haltung des radikalen Infragestellens eines Zentrums“, schreibt die Autorin (S. 134). Demnach sei hier Dekonstruktion eher als erkenntnistheoretische Haltung, die universalistische Ansprüche, binäre Ordnungen und scheinbar selbstverständliche Kategorien systematisch infrage stelle, zu verstehen.
Der Aufbau des Buches folgt einer gut nachvollziehbaren und verständlichen Logik. Zunächst wird GCE in seinen Grundzügen vorgestellt und aus einer postkolonialen Perspektive auf Bildungsdiskurse eingeordnet. Anschließend wird die gewählte diskursanalytische Methodik erläutert sowie das Datenmaterial kontextualisiert, einschließlich der Kriterien der Auswahl und Auswertung. Darauf aufbauend erfolgt eine systematische Rekonstruktion der zugrunde liegenden Bedeutungsstrukturen, insbesondere mit Blick auf Geschlechterverhältnisse. Im Zentrum steht dabei die Analyse der hervorgebrachten Subjektpositionen. Abschließend werden Möglichkeiten diskutiert, wie GCE unter postkolonialen Vorzeichen neu gedacht und weiterentwickelt werden kann.
Die Ergebnisse zeigen, dass die in den GCE-Dokumenten enthaltenen Ansprüche als universalistisch verstanden werden und häufig mit vereinheitlichenden und hierarchisierenden Deutungsmustern einhergehen, die stark an eurozentrisch geprägte Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität anschließen. Obwohl GCE darauf abzielt, globale Herausforderungen kritisch zu adressieren und transformative Bildungsprozesse anzustoßen, verdeutlicht die Analyse, dass die zugrunde liegenden Konzepte dennoch in koloniale Erzählungsmuster, rassifizierende Strukturen und neoliberale Logiken eingebunden bleiben.
Im Rahmen der rekonstruierten „Subjektkartographie“ unterscheidet Altenberger drei zentrale Positionierungen: erstens eine handlungsorientierte Subjektfigur, die als aktiv, verantwortungstragend und bildungsgebend erscheint und zugleich Züge eines dominanten, teilweise imperial geprägten Akteurs trägt; zweitens eine eher passiv konstruierte Position, die als empfangend, legitimationsstiftend und in Abhängigkeit verortet ist; drittens eine idealisierte Figur des „Global Citizen“, die als Ergebnis von Bildungsprozessen gedacht wird und kosmopolitische sowie überindividuelle Verantwortlichkeit verkörpert. Diese drei Positionen stehen in einem hierarchischen Verhältnis zueinander, das sich insbesondere entlang der Kategorien Bildung, Autonomie und Handlungsmacht konstituiert.
Um die inhärenten Spannungen dieser Subjektpositionen sowie des GCE-Anspruchs insgesamt produktiv zu machen, erscheint es nach Ansicht der Autorin notwendig, dominante Denkweisen zu hinterfragen und Ambivalenzen als Ausgangspunkt für politisch-reflexive Bildungsprozesse zu begreifen. Gerade in der Anerkennung von Widersprüchlichkeit liege das Potenzial, neue Perspektiven für die Weiterentwicklung von GCE zu eröffnen. Altenberger meint diesbezüglich: „Dauerhafte Konzepte von Bildung, Subjekt oder Repräsentation, aber auch globale Selbst- und Weltbilder sind weder einfach noch eindeutig, sondern befinden sich in einem ständigen Wandel und können daher nie losgelöst von ihrer Geschichte betrachtet werden“ (S. 87). Konkret benennt die Autorin mehrere zentrale Handlungsfelder einer postkolonialen GCE. Dazu zählen die Anerkennung der Komplexität und Ungleichheit von Wissensproduktion, die Förderung ethischer Beziehungen zwischen historisch privilegierten und marginalisierten Gruppen, das Verständnis sich wiederholender historischer Fehlentwicklungen sowie die Reflexion der eigenen Verstrickung in globale Ungleichheitsverhältnisse. GCE soll somit verdeutlichen, dass Individuen zugleich Teil bestehender Problemlagen und potenzieller Lösungen sind, wenn auch in unterschiedlichen Positionen und Verantwortlichkeiten.
Ein zentrales Element der Arbeit bildet Spivaks Konzept des „Verlernens“ (Spivak 2008), das als bewusster Prozess der kritischen Reflexion und Infragestellung verinnerlichter Wissensbestände, Denkweisen und Selbstverständlichkeiten verstanden wird. Die Autorin verortet diesen Prozess in einer dekonstruktiven Perspektive, die darauf abzielt, die in Bildungs- und Lernprozessen enthaltenen sowie reproduzierten Macht- und Gewaltverhältnisse sichtbar zu machen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei epistemischer und diskursiver Gewalt. Epistemische Gewalt beschreibt die koloniale Missachtung, Verdrängung oder Aneignung lokalen und indigenen Wissens, während diskursive Gewalt in sprachlichen und gesellschaftlichen Repräsentationen wirksam wird, indem sie marginalisierte Gruppen ausgrenzt oder stereotypisiert.
So betont die Autorin die Verantwortung von Bildungsprozessen und Wissensproduktion. Ziel sei es, eine Sprache und eine Praxis zu entwickeln, die marginalisierte Perspektiven angemessen repräsentieren und bestehende Herrschaftsverhältnisse nicht reproduzieren, sondern kritisch infrage stellen. Das Konzept des Verlernens eröffnet somit die Möglichkeit, die historische Entstehung von Wissen, sozialen Positionierungen und Privilegien zu reflektieren und die Ambivalenz sowie Komplexität von Lernprozessen als Voraussetzung einer herrschaftskritischen Bildung anzuerkennen. Ein solcher Blickwinkel eröffnet die Möglichkeit, GCE neu zu gestalten, indem epistemische Verschiebungen angestoßen und dominante Narrative hinterfragt werden. Ziel sei es, insbesondere jene Akteur*innen zu stärken, die bislang vor allem als Objekte von Bildungs- und Entwicklungsmaßnahmen adressiert wurden, und deren Handlungsmacht zu erweitern.
Altenberger schafft ein Werk, das sowohl auf (gesellschafts-)politischer als auch auf akademischer Ebene von äußerster Relevanz ist. Auf (gesellschafts-)politischer Ebene wird aufgezeigt, wie tief koloniale Narrative selbst in vermeintlich progressive Ansätze eingeschrieben sind. Dabei wird deutlich, dass liberale Zugänge innerhalb eines imperial gewachsenen, global-kapitalistischen Systems operieren und folglich keine grundlegende Alternative zum Status quo darstellen. In diesem Zusammenhang arbeitet die Autorin heraus, inwiefern Bildung nicht nur als emanzipatorisches Instrument gedacht werden kann, sondern gleichermaßen als ein machtvolles Mittel zur Reproduktion und Stabilisierung globaler Ungleichverhältnisse und Abhängigkeiten fungiert. Zudem wird ein eurozentrisches Feminismusverständnis kritisch hinterfragt und dessen begrenzte Anschlussfähigkeit für globale Gerechtigkeitsdiskurse offengelegt. Altenberger zeigt darüber hinaus die inhärenten Widersprüche innerhalb transnationaler Organisationen, etwa der Vereinten Nationen, auf und problematisiert deren Anspruch auf universelle Gültigkeit normativer Setzungen. Dadurch wird ein grundlegendes Nachdenken über sogenannte „universelle Wahrheiten“ angeregt.
Besonders positiv hervorzuheben ist die implizite Verbindung zu materialistischen Perspektiven: Die Analyse macht deutlich, dass koloniales Denken, Handeln und dessen Fortwirken stets in einem ökonomischen Kontext zu verorten sind und nicht losgelöst von kapitalistischen Strukturen betrachtet werden können. Altenberger führt aus: „Auch wenn der Fokus nun darauf lag, wie eine postkoloniale (feministische) Bildung für GCE produktiv gemacht werden kann, ohne die hier herausgearbeiteten Subjektpositionen, subalternen Räume und eine (globale) Klassenapartheid zu stabilisieren, ist eine kapitalismuskritische Haltung für Konzeptionen von GCE mindestens ebenso wichtig. Dazu wäre es notwendig, für die Konzeption von GCE kapitalismuskritische Parameter als grundlegend zu formulieren, um nicht spezifische Ausbeutungs- und Ungleichheitsverhältnisse aufrechtzuerhalten, die eine (globale) Klassenapartheid verfestigen“ (S. 242). Diese Parameter werden jedoch noch nicht final ausformuliert und angewandt. Damit dies gelingen kann, müsste in den UNESCO-Konzeptionen von GCE die gegenwärtige Weltgesellschaft als postkolonial-kapitalistische Weltgesellschaft zum Ausgangspunkt weiterer (Bildungs-)Überlegungen gemacht werden.
Auf akademischer Ebene eröffnet die Studie vielfältige Anknüpfungspunkte für unterschiedliche Disziplinen, insbesondere für die kritische Migrationsforschung, die kritische Geschlechterforschung sowie die kritische Gesellschaftstheorie. Die von Altenberger herausgearbeiteten Widersprüche, Grenzen und Problemlagen sind nicht nur auf das spezifisch von ihr analysierte UNESCO-Material beschränkt, sondern lassen sich auch auf andere Dokumente anwenden. Altenbergers besondere Leistung liegt daher weniger in der Entwicklung neuer methodischer Zugänge als in der systematischen und reflektierten Nutzung etablierter postkolonialer, diskursanalytischer und dekonstruktiver Perspektiven auf aktuelles empirisches Material. Gerade dadurch eröffnet die Arbeit Perspektiven für die Analyse von Diskursen, die nicht bei oberflächlichen Inklusions- oder Gerechtigkeitsrhetoriken stehen bleiben, sondern darauf zielen, historisch gewachsene globale Machtasymmetrien sichtbar zu machen, kritisch zu hinterfragen und in ihren Wirkungsweisen zu analysieren.
Spivak, Gayatri Chakravorty (2012): An aesthetic education in the era of globalization. Cambridge, London: Harvard University Press.
Spivak, Gayatri Chakravorty (2008): Righting Wrongs. Unrecht richten [Übersetzung von Finck, Sonja/Keim, Janet]. Zürich, Berlin: diaphanes.