https://opengenderjournal.de/issue/feed Open Gender Journal 2019-03-26T04:10:05+01:00 Marcel Wrzesinski marcel.wrzesinski@fu-berlin.de Open Journal Systems <p><span style="font-weight: 400;">Open Gender Journal erstveröffentlicht fortlaufend begutachtete Fachbeiträge aus dem weiten Feld der Geschlechterforschung</span><span style="font-weight: 400;">. </span><span style="font-weight: 400;">Artikel können jederzeit eingereicht werden. Für die Autor_innen fallen keine Publikationsgebühren an.&nbsp;</span><span style="font-weight: 400;">OGJ wird herausgegeben von&nbsp;Dr. Gabriele Jähnert (Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien, Humboldt-Universität zu Berlin),&nbsp;Dr. Anita Runge (Margherita-von-Brentano-Zentrum, Freie Universität Berlin) and&nbsp;Prof. Dr. Susanne Völker (GeStiK – Gender Studies in Köln &amp; Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Universität zu Köln).</span></p> https://opengenderjournal.de/article/view/49 Bound in a Spiral Dance. Der Tanz von Cyborg und Göttin als Diffraktion 2019-03-26T04:10:05+01:00 Alisa Kronberger alisa.kronberger@posteo.de <p>Mit den Worten „[I would] rather be a cyborg than a goddess“ schließt Donna Haraway 1984 ihr einschlägiges&nbsp;<em>Manifesto for Cyborgs&nbsp;</em>(Haraway 1991, 180). Damit wurde die Cyborg als Figur technisch-menschlicher Hybridität als feministisches Gegenmodell zu einer ‚technophoben‘ Göttin eingeführt. Letztere gilt als zentrale Metapher spirituellen, ökofeministischen Denkens der 1970er und 1980er Jahre und ist stark, so Haraways Kritik, an nostalgische Narrative der Rückeroberung einer matriarchalen, prä-historischen Zeit gekoppelt.&nbsp;Die Cyborg hingegen verkörpert das Versprechen, aus den die Industriegesellschaften dominierenden Dualismen (Kultur/Natur, Frau/Mann, etc.) auszubrechen. Für was stehen die Grenzfiguren Cyborg und Göttin in feministischen Kontexten (noch) ein? Lässt sich die in einem Spannungsfeld stehende Cyborg-Göttin als ergiebig für einen gegenwärtigen feministischen Dialog denken? Ausgehend von diesen Fragen konzentriert sich der Aufsatz auf ein diffraktives Ineinander- und Gegeneinander-Lesen der beiden Grenzfiguren, mit dem Ziel, die aktuelle feministische Debatte zu verkomplizieren und damit neue Räume für Resignifikationen und Reinterpretationen zu eröffnen.</p> 2019-03-21T13:44:19+01:00 ##submission.copyrightStatement## https://opengenderjournal.de/article/view/32 Körper und Widerstand im Roman "Vaca sagrada" (1991) von Diamela Eltit 2018-12-20T11:41:05+01:00 Rebecca Weber weber@romanistik.uni-siegen.de <p>Im Roman „Vaca sagrada“ (1991) von Diamela Eltit, der während der chilenischen Transition veröffentlicht wurde, wird die Erfahrung sexualisierter Gewalt und politischer Repression unter der Diktatur aufgearbeitet. Gleichzeitig werden gesellschaftspolitische Herausforderungen der jungen chilenischen Demokratie angesprochen: Auch nach Ende der Militärdiktatur Augusto Pinochets bleibt nämlich der menschliche Körper Verdichtungsort von kulturellen, historisch und sozial gewachsenen Geschlechtervorstellungen, die zu Benachteiligungen von Menschen innerhalb der chilenischen Gesellschaft führen.</p> <p>In „Vaca sagrada“ stellt Eltit die Konstruiertheit von Geschlecht heraus, indem sie die Menstruation, die innerhalb der christlich geprägten chilenischen Gesellschaft als kulturgeschichtliches Stigma des weiblichen Körpers verstanden wird, für ihre politische Botschaft fruchtbar macht. Über die Symbolik des Menstruationsblutes entfaltet der Roman eine subversive Ästhetik, die dem Konzept von Homogenisierung und Normierung der Gesellschaft unter der chilenischen Militärdiktatur gegenläufig ist und der es gelingt, als Intervention im Sinne Stuart Halls kulturelle Bedeutungen neu zu akzentuieren.</p> 2018-12-20T11:38:26+01:00 ##submission.copyrightStatement## https://opengenderjournal.de/article/view/23 Zum sozialpsychologischen Konzept internalisierter Homophobie. Eine Rekonstruktion ‚integrierter Identität‘ als Emanzipationsvision 2018-12-12T11:53:30+01:00 Folke Brodersen folke@7freiheiten.de <p>Das sozialpsychologische Konzept internalisierter Homophobie ist vielfach präsent in Wissenschaft, Psychotherapie und politischem Aktivismus. Es erklärt psychische Belastungen Schwuler und Lesben durch die Übernahme abwertender gesellschaftlicher Werthaltungen und Stereotype. Damit assoziierte Folgen seien verminderter Selbstwert, Beziehungsprobleme, sexuelle Risikopraxen bis hin zur Suizidalität. Der Beitrag rekonstruiert dieses wissenschaftliche Konzept ausgehend von den verwendeten Messskalen. Die Operationalisierungen der gesellschaftlichen Beschädigung setzen ex negativo ein gesundes homosexuelles Subjekt voraus und vermessen dessen (in)kohärentes Selbst anhand der Integration lesbischer bzw. schwuler Identität. Indikator dafür seien der unerschrockene Wunsch nach einem Coming-out, der Stolz auf die eigene Sexualität und die Bewahrung der erwarteten Eigengruppe. Derartige Selbstverhältnisse bilden die politische Vision des wissenschaftlichen Diskurses und den Horizont der anvisierten, individuell zu verantwortenden Emanzipation.</p> 2018-11-15T14:50:52+01:00 ##submission.copyrightStatement## https://opengenderjournal.de/article/view/27 „Es ist nochmal etwas Verbindenderes, etwas das mehr ist“. Was die Heirat hetero- und homosexuellen Paaren bedeutet 2018-11-13T13:58:09+01:00 Fleur Weibel fleur.weibel@unibas.ch <p>Ende des 20. Jahrhunderts wurde von einer 'dramatischen' Bedeutungsreduktion der Ehe gesprochen. Aktuell zeigen die Statistiken aber, dass das Heiraten trotz pluralisierten Optionen in der Lebensgestaltung weiterhin stark verbreitet ist. Wie ist diese anhaltende Bedeutung des Heiratens zu verstehen? Der Beitrag untersucht diese Frage anhand der Rekonstruktion der Fälle von zehn hetero- und vier homosexuellen Hochzeitspaaren, wodurch zwei Dinge deutlich werden: Als kollektives Versprechen von persönlichem Liebesglück gewinnt die Heirat an neuer Attraktivität, nicht zuletzt auch deshalb, weil dieses Glücksversprechen durch die Praktiken der Hochzeit wirkungsvoll inszeniert werden kann. Zugleich stabilisiert die Bedeutungstransformation der Ehe – von der normativen Regulierung heterosexueller Beziehungen zur individuellen Realisierung von Liebe – die Heirat als eine Option ohne gleichwertige Alternativen für die Anerkennung und rechtliche Absicherung von verbindlichem Zusammenleben und Lieben.</p> 2018-11-06T11:36:37+01:00 ##submission.copyrightStatement## https://opengenderjournal.de/article/view/21 Chick Lit Gone Ethnic, Chick Lit Gone Global?! Die Rezeption eines transnationalen Genres im plural-queeren Vergleich 2018-09-11T13:45:28+02:00 Sandra Folie sandra.folie@univie.ac.at <p>Chick lit, ursprünglich als angloamerikanisches, ‘weißes’, heterosexuelles Mittelklassephänomen im Stil von „Bridget Jones’s Diary“ (1996) definiert, hat sich rasch verändert und neben Genre und Gender auch kulturelle, geographische und linguistische Grenzen überschritten. Es herrscht weitgehend Konsens darüber, dass es sich um einen Transfer vom ‚originalen’ Genre zu zahlreichen adaptierten Subgenres, vom ‚Zentrum’ in die ‚Peripherie’ handelt. Um diese andro- wie auch eurozentrische Genreklassifizierung infrage zu stellen, eignet sich eine queer-feministische Perspektive; insbesondere, wenn sie einem Sex/Gender-Zentrismus, der andere soziale Ungleichheitskategorien wie ‚race’/‚Ethnizität’ hintanstellt, ebenso kritisch gegenübersteht wie der Heteronormativität. Durch solch ein intersektional ausgerichtetes Queer Reading der Chick lit wird die Marginalisierung und Homogenisierung zeitgenössischer Literatur von, über und/oder für Frauen* durch gegenderte und ethnisch markierte Labelingpraktiken aufgezeigt.</p> 2018-08-30T14:54:17+02:00 ##submission.copyrightStatement## https://opengenderjournal.de/article/view/22 Interventionen in Geschlechterpolitiken von Fachkulturen, Epistemen und Artefakten der Natur-, Technik- und Planungswissenschaften. Fallbeispiele aus der Lehrforschung 2018-09-11T13:48:49+02:00 Petra Lucht petra.lucht@tu-berlin.de <p>Gender Studies zu Natur-, Technik- und Planungswissenschaften weisen Asymmetrien bezüglich der fokussierten Forschungsschwerpunkte auf: Während die Situation von Frauen* in Ausbildung und Beruf im Zentrum steht, werden Forschungsergebnisse zu Fachkulturen, Epistemen und Artefakten nicht systematisch in Inhalte und Anwendungen der MINT-Fächer und Planungswissenschaften integriert. Das nachfolgend dargelegte Konzept ermöglicht es, Fallstudien zu diesen Forschungsperspektiven zu erarbeiten. Es wurde in 2013-2016 an der Technischen Universität Berlin für das Studienprogramm Gender Pro MINT von mir entwickelt und umgesetzt. Die hier präsentierten Fallstudien sind als Abschlussarbeiten von Absolvent_innen des Studienprogramms angefertigt worden und zeigen verschiedene Ansatzpunkte für transdisziplinäre, feministische Interventionen in die Geschlechterpolitiken von Fachkulturen, Epistemen und Artefakten der Natur-, Technik- und Planungswissenschaften für geschlechtergerechte Vielfalt auf.</p> 2018-08-29T00:00:00+02:00 ##submission.copyrightStatement## https://opengenderjournal.de/article/view/25 Blitze, Frösche, Chaos. Das Glücksversprechen des New Materialism oder wieso Trans*materialisierungen (über)lebensnotwendig sind 2018-09-11T13:48:51+02:00 Josch Hoenes josch.hoenes@uni-oldenburg.de <p>In ihrem Text "Transmaterialities" entwickelt Karen Barad ein quantenfeldtheoretisches Verständnis von Materie und erforscht ihr Potenzial für Formen des Transempowerments. In der kritischen Auseinandersetzung mit Susan Strykers Text "My Words to Victor Frankenstein" untersucht der vorliegende Artikel Barads Argumentation in einem experimentellen <em>close reading</em> und formuliert ernsthafte Zweifel an dieser Form der Ermächtigung. Obwohl Barad die alltagsweltliche Vorstellung fester, unveränderlicher Materie, die die Natürlichkeit des Sex garantiert, in Frage stellt, überdehnt sie den Begriff der Natur: Sowohl die kulturelle symbolische Gewalt, der trans* Menschen ausgesetzt sind, als auch die vielfältigen Materialbildungen von trans* Körpern, die zu einem glücklichen Leben führen ohne sich an heteronormative Ideale anzupassen, werden unsichtbar gemacht. Statt technische Utopien zu entwerfen, plädiert der Artikel für konkretere Analysen darüber, wie Kultur und Natur miteinander verschränkt sind, sowie für eine Praxis der Transgender-Studien, die in den konkreten Erfahrungen und Lebenspraktiken von trans* Menschen verwurzelt ist. Insofern das Phänomen trans* die Grenzen der Rationalität westlicher Wissenschaft berührt, können Barads Gedankenexperiment und seine poetische Schreibweise wichtige Denkanstöße für die Untersuchung von trans*-Erfahrungen und -Praktiken aus kulturwissenschaftlicher Perspektive liefern, die trans* Menschen nicht in Laborfrösche verwandeln.</p> 2018-08-28T14:43:55+02:00 ##submission.copyrightStatement## https://opengenderjournal.de/article/view/5 Das geteilte Haus. Geschlechtergetrenntes Wohnen in kolonialzeitlichen Städten Südostasiens 2018-09-11T17:23:05+02:00 Mai Lin Tjoa-Bonatz tjoabonatz@hotmail.com Baupläne des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts zeigen in den britischen Kolonialstadtgründungen Penang (Malaysia) und Singapur, dass genderdifferenzierte Raumkonzepte das Wohnen geprägt haben. In diesem Artikel werden die Formen des Wohnens sowie der Wandel der Raum- und Stadtstrukturen im kolonialstädtischen Südostasien beschrieben, die zur Herausbildung dieser binären Raumstrukturen geführt haben. Neben den sozioökonomischen Veränderungsprozessen verdienen Aspekte wie Geschlechterbeziehungen, Familien- und Haushaltsformen sowie vorbildprägende Wohnformen der Oberschichten besondere Aufmerksamkeit. Der Wandel der Wohnformen und -verhältnisse wird am Beispiel des innerstädtischen <em>Shophouses</em> konkretisiert. Das <em>Shophouse</em> hatte sich von einem teilgewerblich genutzten Stadthaus, das nach dem chinesischen Hofhaus angelegt war, zu einem Wohnreihenhaus nach Vorbildern viktorianischer Vorstadthäuser in Großbritannien entwickelt und diente schließlich als suburbanes Wohnhaus. 2018-04-30T00:00:00+02:00 ##submission.copyrightStatement## https://opengenderjournal.de/article/view/4 Zur Produktivität von Techniken des Körpers. Eine Diskussion gouvernementalitätstheoretischer und intersektionaler Zugänge 2018-09-11T17:16:57+02:00 Britta Hoffarth hoffarth@em.uni-frankfurt.de Im Zentrum des vorliegenden Beitrags steht die Reflexion des Verhältnisses von gouvernementalitätstheoretischen und praxeologisch-intersektionalen Perspektiven auf Körpertechniken wie z.B. Fitness oder plastische Chirurgie. In der Diskussion geht es darum, diese insbesondere im Hinblick auf die Frage erkenntnistheoretischer Produktivität zu diskutieren: Wofür sensibilisiert eine gouvernementalitätstheoretische Perspektive und inwiefern erscheint eine intersektionale und praxistheoretische Perspektive als Ergänzung sinnvoll? Mit dieser Diskussion soll ein Impuls für eine sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung gegeben werden, in der die Körper und ihre Praktiken in Bezug auf die Widersprüchlichkeit gesellschaftlicher Machtverhältnisse diskutiert werden. 2018-04-23T00:00:00+02:00 ##submission.copyrightStatement## https://opengenderjournal.de/article/view/3 Natur-Kultur-Verschränkungen und die Materie der Epigenetik 2018-09-11T17:18:04+02:00 Lisa Krall lkrall@uni-koeln.de Seit langer Zeit diskutieren Geschlechterforscher_innen die Wirkmacht binärer Logik, die die Einteilung und Gegenüberstellung von zwei Polen propagiert und dabei hierarchische Strukturen befördert. Mit dem biomedizinischen Feld der Epigenetik, in dem der Einfluss von äußeren Umweltfaktoren wie Ernährungsweisen oder traumatischen Erfahrungen auf die Genaktivität untersucht wird, entstehen nun neue Hoffnungen auf weniger binäre Betrachtungsweisen. Wie sind diese natur-kultürlichen Betrachtungen der Epigenetik einzuschätzen? Werden komplexe soziale Phänomene hier möglicherweise stark vereinfacht oder eröffnen sich ganz andere Perspektiven? Dieser Artikel diskutiert, inwiefern sich Biologie und Soziales in der Epigenetik verschränken und welche Implikationen sich daraus ergeben können. Zentrale Annahme ist, dass in der epigenetischen Forschung Dualismen und gleichzeitig Verschränkungen zu finden sind und sich das Feld daher anbietet für feministische Debatten über Dualismen. 2018-04-11T00:00:00+02:00 ##submission.copyrightStatement##