Open Gender Journal https://opengenderjournal.de/ <p><span style="font-weight: 400;">Open Gender Journal erstveröffentlicht fortlaufend begutachtete Fachbeiträge aus dem weiten Feld der Geschlechterforschung</span><span style="font-weight: 400;">. </span><span style="font-weight: 400;">Artikel können jederzeit eingereicht werden. Für die Autor_innen fallen keine Publikationsgebühren an.&nbsp;</span><span style="font-weight: 400;">OGJ wird herausgegeben von&nbsp;Dr. Gabriele Jähnert (Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien, Humboldt-Universität zu Berlin),&nbsp;Dr. Anita Runge (Margherita-von-Brentano-Zentrum, Freie Universität Berlin) and&nbsp;Prof. Dr. Susanne Völker (GeStiK – Gender Studies in Köln &amp; Department Erziehungs- und Sozialwissenschaften, Universität zu Köln).</span></p> de-DE Open Gender Journal 2512-5192 <p>Alle Beiträge in <em>Open Gender Journal</em> erscheinen unter der Lizenz <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/" target="_blank" rel="noopener">Creative Commons Namensnennung 4.0 International</a> (CC BY 4.0). Die entsprechenden Texte dürfen Sie unter den Bedingungen der Lizenz frei nutzen (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de" target="_blank" rel="noopener">Lizenzvertrag</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener">allgemeinverständliche Fassung</a>). Die Autor_innen werden ermutigt, ihre Beiträge auch an anderen Orten, z.B. in Repositorien, einzustellen.</p> Unsichtbarkeitsfelder stören – Die Provinzialisierung von 'Western Code' trans*-Narrativen https://opengenderjournal.de/article/view/24 <p>In diesem Beitrag stellen wir ‚Western Code‘ trans*-Narrative in Frage, indem wir das koloniale Projekt der Medikalisierung, Pathologisierung und Disziplinierung von trans* Körpern beleuchten. Wir untersuchen zunächst verschiedene Kontrollsysteme – Biologisierung, Zeitlichkeit, Klassifizierung und Pathologisierung – die in Bezug auf (trans*)gender in ‘Western codes’ wirken. Danach befassen wir uns mit Aspekten trans*spezifischer Gesundheitsversorgung und ihres kolonialen Erbes. In beiden Abschnitten konzentrieren wir uns dabei auf „Unsichtbarkeitsfelder“ (in Deutschland und Südafrika) – die verborgenen Machtstrukturen, die das koloniale Projekt als das Problem anderer Leute verschleiern. In dem Versuch „Western Code“ trans* Narrative zu provinzialisieren und zu unter_brechen eröffnen wir am Ende alternative Erzählungen und Geschichten des Widerstands.</p> Marek Sancho Höhne Thamar Klein ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2019-06-25 2019-06-25 10.17169/ogj.2019.24 Geschlecht als Sublimierung. Zur Rolle des Begehrens für die Subjektformation https://opengenderjournal.de/article/view/33 <p>J. Butler hob mit S. Freud die <em>Identifizierungen</em> des Kindes hervor (<em>Psyche der Macht, </em>2001), wobei sie geschlechtliche Identität als Produkt einer melancholischen Einverleibung der frühen Anderen sichtbar machte. Was aber, wenn man nicht die <em>ödipalen Identifizierungen</em>, sondern das <em>Begehren</em> als bestimmenden Faktor der Vergeschlechtlichung erwägt? Dieser Frage soll mit J. Lacan, der das Begehren als ein strukturelles Vermögen begriff, nachgegangen werden: Dieses entsteht, sobald die mütterliche Bezugsperson durch Symbole substituiert wird, was dem Kind später erlaubt, den inzestuös verbotenen Anderen durch Objekte zu ersetzen. Dieser zweizeitige Prozess rückt die Vergeschlechtlichung in die Nähe zur <em>Sublimierung, </em>wobei Geschlechtliches als eine besondere Form der Sublimierung verstanden werden kann. Dabei erweist sich das Begehren nachhaltiger als die Identifizierungen, da es das Subjekt – jenseits der gefährlichen melancholischen Verstrickungen – zu Drittem in das Soziale führt. Eine derart über das Begehren aufgefasste Geschlechtlichkeit hat nicht zuletzt auch gesellschaftspolitische Relevanz, da <em>Identitäres</em> nicht als zentraler Angelpunkt der Subjektformation aufgefasst werden muss: Geschlechterpolitik wäre damit nicht nur Angelegenheit gleicher Identifikationsgruppen, sondern einer stets auf das Neue herzustellenden Gemeinschaft in Bezug auf den geteilten Wunsch nach lebbarem Begehren in unserer Gesellschaft.</p> Eva Laquieze-Waniek ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2019-05-29 2019-05-29 10.17169/ogj.2019.33 Herrschaftskritik privilegierter Personen. Das Potential multidimensionaler Hegemonieselbstkritik https://opengenderjournal.de/article/view/20 <p>Dieser Beitrag nimmt die Skepsis in der Geschlechterforschung gegenüber Herrschaftskritik privilegierter Personen zum Anlass, erneut über das Verhältnis von sozialem Standort und politischem Standpunkt nachzudenken. Argumentiert wird, dass feministische Standpunkttheorie, welche einen weiblichen oder marginalisierten Standort voraussetzt, hegemonieselbstkritisch weiterentwickelt werden muss, um feministische Hegemonieselbstkritik von einem privilegierten männlichen Standort wahrnehmen und anerkennen zu können. Das herrschaftskritische Projekt der Multidimensionalität bzw. Intersektionalität inklusive Hegemonieselbstkritik privilegierter Personen wird hier darum um den Aspekt der Hegemonieselbstkritik von einem marginalisierten Standort ergänzt. Der Begriff der Hegemonieselbstkritik beschreibt den Prozess der kritischen Infragestellung der eigenen Selbstsetzung als hegemonial bezogen auf eine hegemonial männliche wie auch eine sich hegemonial setzende weibliche feministische Positionierung. Feministische Standpunkttheorie ermöglicht es, beide zu differenzieren und in ihrem spezifischen Standort zu situieren. Die Hegemonieselbstkritik aller (Geschlechter) hat Potential, breite emanzipatorische Bündnispolitiken zu ermöglichen und ein Umschlagen von Emanzipation in Herrschaft zu vermeiden.</p> Anika Thym ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2019-05-02 2019-05-02 10.17169/ogj.2019.20 Bound in a Spiral Dance. Der Tanz von Cyborg und Göttin als Diffraktion https://opengenderjournal.de/article/view/49 <p>Mit den Worten „[I would] rather be a cyborg than a goddess“ schließt Donna Haraway 1984 ihr einschlägiges&nbsp;<em>Manifesto for Cyborgs&nbsp;</em>(Haraway 1991, 180). Damit wurde die Cyborg als Figur technisch-menschlicher Hybridität als feministisches Gegenmodell zu einer ‚technophoben‘ Göttin eingeführt. Letztere gilt als zentrale Metapher spirituellen, ökofeministischen Denkens der 1970er und 1980er Jahre und ist stark, so Haraways Kritik, an nostalgische Narrative der Rückeroberung einer matriarchalen, prä-historischen Zeit gekoppelt.&nbsp;Die Cyborg hingegen verkörpert das Versprechen, aus den die Industriegesellschaften dominierenden Dualismen (Kultur/Natur, Frau/Mann, etc.) auszubrechen. Für was stehen die Grenzfiguren Cyborg und Göttin in feministischen Kontexten (noch) ein? Lässt sich die in einem Spannungsfeld stehende Cyborg-Göttin als ergiebig für einen gegenwärtigen feministischen Dialog denken? Ausgehend von diesen Fragen konzentriert sich der Aufsatz auf ein diffraktives Ineinander- und Gegeneinander-Lesen der beiden Grenzfiguren, mit dem Ziel, die aktuelle feministische Debatte zu verkomplizieren und damit neue Räume für Resignifikationen und Reinterpretationen zu eröffnen.</p> Alisa Kronberger ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2019-03-21 2019-03-21 10.17169/ogj.2019.49 Körper und Widerstand im Roman "Vaca sagrada" (1991) von Diamela Eltit https://opengenderjournal.de/article/view/32 <p>Im Roman „Vaca sagrada“ (1991) von Diamela Eltit, der während der chilenischen Transition veröffentlicht wurde, wird die Erfahrung sexualisierter Gewalt und politischer Repression unter der Diktatur aufgearbeitet. Gleichzeitig werden gesellschaftspolitische Herausforderungen der jungen chilenischen Demokratie angesprochen: Auch nach Ende der Militärdiktatur Augusto Pinochets bleibt nämlich der menschliche Körper Verdichtungsort von kulturellen, historisch und sozial gewachsenen Geschlechtervorstellungen, die zu Benachteiligungen von Menschen innerhalb der chilenischen Gesellschaft führen.</p> <p>In „Vaca sagrada“ stellt Eltit die Konstruiertheit von Geschlecht heraus, indem sie die Menstruation, die innerhalb der christlich geprägten chilenischen Gesellschaft als kulturgeschichtliches Stigma des weiblichen Körpers verstanden wird, für ihre politische Botschaft fruchtbar macht. Über die Symbolik des Menstruationsblutes entfaltet der Roman eine subversive Ästhetik, die dem Konzept von Homogenisierung und Normierung der Gesellschaft unter der chilenischen Militärdiktatur gegenläufig ist und der es gelingt, als Intervention im Sinne Stuart Halls kulturelle Bedeutungen neu zu akzentuieren.</p> Rebecca Weber ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2018-12-20 2018-12-20 10.17169/ogj.2018.32 Zum sozialpsychologischen Konzept internalisierter Homophobie. Eine Rekonstruktion ‚integrierter Identität‘ als Emanzipationsvision https://opengenderjournal.de/article/view/23 <p>Das sozialpsychologische Konzept internalisierter Homophobie ist vielfach präsent in Wissenschaft, Psychotherapie und politischem Aktivismus. Es erklärt psychische Belastungen Schwuler und Lesben durch die Übernahme abwertender gesellschaftlicher Werthaltungen und Stereotype. Damit assoziierte Folgen seien verminderter Selbstwert, Beziehungsprobleme, sexuelle Risikopraxen bis hin zur Suizidalität. Der Beitrag rekonstruiert dieses wissenschaftliche Konzept ausgehend von den verwendeten Messskalen. Die Operationalisierungen der gesellschaftlichen Beschädigung setzen ex negativo ein gesundes homosexuelles Subjekt voraus und vermessen dessen (in)kohärentes Selbst anhand der Integration lesbischer bzw. schwuler Identität. Indikator dafür seien der unerschrockene Wunsch nach einem Coming-out, der Stolz auf die eigene Sexualität und die Bewahrung der erwarteten Eigengruppe. Derartige Selbstverhältnisse bilden die politische Vision des wissenschaftlichen Diskurses und den Horizont der anvisierten, individuell zu verantwortenden Emanzipation.</p> Folke Brodersen ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2018-11-15 2018-11-15 10.17169/ogj.2018.23 „Es ist nochmal etwas Verbindenderes, etwas das mehr ist“. Was die Heirat hetero- und homosexuellen Paaren bedeutet https://opengenderjournal.de/article/view/27 <p>Ende des 20. Jahrhunderts wurde von einer 'dramatischen' Bedeutungsreduktion der Ehe gesprochen. Aktuell zeigen die Statistiken aber, dass das Heiraten trotz pluralisierten Optionen in der Lebensgestaltung weiterhin stark verbreitet ist. Wie ist diese anhaltende Bedeutung des Heiratens zu verstehen? Der Beitrag untersucht diese Frage anhand der Rekonstruktion der Fälle von zehn hetero- und vier homosexuellen Hochzeitspaaren, wodurch zwei Dinge deutlich werden: Als kollektives Versprechen von persönlichem Liebesglück gewinnt die Heirat an neuer Attraktivität, nicht zuletzt auch deshalb, weil dieses Glücksversprechen durch die Praktiken der Hochzeit wirkungsvoll inszeniert werden kann. Zugleich stabilisiert die Bedeutungstransformation der Ehe – von der normativen Regulierung heterosexueller Beziehungen zur individuellen Realisierung von Liebe – die Heirat als eine Option ohne gleichwertige Alternativen für die Anerkennung und rechtliche Absicherung von verbindlichem Zusammenleben und Lieben.</p> Fleur Weibel ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2018-11-06 2018-11-06 10.17169/ogj.2018.27 Chick Lit Gone Ethnic, Chick Lit Gone Global?! Die Rezeption eines transnationalen Genres im plural-queeren Vergleich https://opengenderjournal.de/article/view/21 <p>Chick lit, ursprünglich als angloamerikanisches, ‘weißes’, heterosexuelles Mittelklassephänomen im Stil von „Bridget Jones’s Diary“ (1996) definiert, hat sich rasch verändert und neben Genre und Gender auch kulturelle, geographische und linguistische Grenzen überschritten. Es herrscht weitgehend Konsens darüber, dass es sich um einen Transfer vom ‚originalen’ Genre zu zahlreichen adaptierten Subgenres, vom ‚Zentrum’ in die ‚Peripherie’ handelt. Um diese andro- wie auch eurozentrische Genreklassifizierung infrage zu stellen, eignet sich eine queer-feministische Perspektive; insbesondere, wenn sie einem Sex/Gender-Zentrismus, der andere soziale Ungleichheitskategorien wie ‚race’/‚Ethnizität’ hintanstellt, ebenso kritisch gegenübersteht wie der Heteronormativität. Durch solch ein intersektional ausgerichtetes Queer Reading der Chick lit wird die Marginalisierung und Homogenisierung zeitgenössischer Literatur von, über und/oder für Frauen* durch gegenderte und ethnisch markierte Labelingpraktiken aufgezeigt.</p> Sandra Folie ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2018-08-30 2018-08-30 10.17169/ogj.2018.21 Interventionen in Geschlechterpolitiken von Fachkulturen, Epistemen und Artefakten der Natur-, Technik- und Planungswissenschaften. Fallbeispiele aus der Lehrforschung https://opengenderjournal.de/article/view/22 <p>Gender Studies zu Natur-, Technik- und Planungswissenschaften weisen Asymmetrien bezüglich der fokussierten Forschungsschwerpunkte auf: Während die Situation von Frauen* in Ausbildung und Beruf im Zentrum steht, werden Forschungsergebnisse zu Fachkulturen, Epistemen und Artefakten nicht systematisch in Inhalte und Anwendungen der MINT-Fächer und Planungswissenschaften integriert. Das nachfolgend dargelegte Konzept ermöglicht es, Fallstudien zu diesen Forschungsperspektiven zu erarbeiten. Es wurde in 2013-2016 an der Technischen Universität Berlin für das Studienprogramm Gender Pro MINT von mir entwickelt und umgesetzt. Die hier präsentierten Fallstudien sind als Abschlussarbeiten von Absolvent_innen des Studienprogramms angefertigt worden und zeigen verschiedene Ansatzpunkte für transdisziplinäre, feministische Interventionen in die Geschlechterpolitiken von Fachkulturen, Epistemen und Artefakten der Natur-, Technik- und Planungswissenschaften für geschlechtergerechte Vielfalt auf.</p> Petra Lucht ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2018-08-29 2018-08-29 10.17169/ogj.2018.22 Blitze, Frösche, Chaos. Das Glücksversprechen des New Materialism oder wieso Trans*materialisierungen (über)lebensnotwendig sind https://opengenderjournal.de/article/view/25 <p>In ihrem Text "Transmaterialities" entwickelt Karen Barad ein quantenfeldtheoretisches Verständnis von Materie und erforscht ihr Potenzial für Formen des Transempowerments. In der kritischen Auseinandersetzung mit Susan Strykers Text "My Words to Victor Frankenstein" untersucht der vorliegende Artikel Barads Argumentation in einem experimentellen <em>close reading</em> und formuliert ernsthafte Zweifel an dieser Form der Ermächtigung. Obwohl Barad die alltagsweltliche Vorstellung fester, unveränderlicher Materie, die die Natürlichkeit des Sex garantiert, in Frage stellt, überdehnt sie den Begriff der Natur: Sowohl die kulturelle symbolische Gewalt, der trans* Menschen ausgesetzt sind, als auch die vielfältigen Materialbildungen von trans* Körpern, die zu einem glücklichen Leben führen ohne sich an heteronormative Ideale anzupassen, werden unsichtbar gemacht. Statt technische Utopien zu entwerfen, plädiert der Artikel für konkretere Analysen darüber, wie Kultur und Natur miteinander verschränkt sind, sowie für eine Praxis der Transgender-Studien, die in den konkreten Erfahrungen und Lebenspraktiken von trans* Menschen verwurzelt ist. Insofern das Phänomen trans* die Grenzen der Rationalität westlicher Wissenschaft berührt, können Barads Gedankenexperiment und seine poetische Schreibweise wichtige Denkanstöße für die Untersuchung von trans*-Erfahrungen und -Praktiken aus kulturwissenschaftlicher Perspektive liefern, die trans* Menschen nicht in Laborfrösche verwandeln.</p> Josch Hoenes ##submission.copyrightStatement## http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 2018-08-28 2018-08-28 10.17169/ogj.2018.25