Open Gender Journal https://opengenderjournal.de/ <p><span style="font-weight: 400;">Open Gender Journal erstveröffentlicht fortlaufend begutachtete Fachbeiträge aus dem weiten Feld der Geschlechterforschung</span><span style="font-weight: 400;">. </span><span style="font-weight: 400;">Artikel können jederzeit eingereicht werden. Für die Autor_innen fallen keine Publikationsgebühren an.&nbsp;</span><span style="font-weight: 400;">OGJ wird gemeinsam von der Fachgesellschaft Geschlechterstudien, dem Margherita-von-Brentano Zentrum der FU Berlin, Gender Studies in Köln (GeStiK) an der Universität zu Köln und dem Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterforschung an der HU Berlin herausgegeben.</span></p> de-DE <p>Alle Beiträge in <em>Open Gender Journal</em> erscheinen unter der Lizenz <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/" target="_blank" rel="noopener">Creative Commons Namensnennung 4.0 International</a> (CC BY 4.0). Die entsprechenden Texte dürfen Sie unter den Bedingungen der Lizenz frei nutzen (<a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/legalcode.de" target="_blank" rel="noopener">Lizenzvertrag</a>, <a href="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de" target="_blank" rel="noopener">allgemeinverständliche Fassung</a>). Die Autor_innen werden ermutigt, ihre Beiträge auch an anderen Orten, z.B. in Repositorien, einzustellen.</p> kathrin.ganz@fu-berlin.de (Dr. Kathrin Ganz) kathrin.ganz@fu-berlin.de (Dr. Kathrin Ganz) Mi, 18 Mär 2020 00:00:00 +0100 OJS 3.1.2.4 http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss 60 Strategien des ‚I _ gay‘ https://opengenderjournal.de/article/view/124 <p>Coming-out vor allem Jugendlicher erfährt gegenwärtig eine Aufwertung und Hervorhebung in Familien, Medien, Politik und Forschung. Öffentlich als homosexuell sichtbar zu sein, wird dabei zur Bedingung eines authentischen Selbst und glücklichen Lebens stilisiert. Der vorliegende Artikel rekonstruiert und theoretisiert die für junge Schwule und Lesben relevanten Erfahrungen. Die Sekundäranalyse von 19 problemzentrierten Interviews zeigt, dass das Coming-out als problematische Dramatisierung und unausweichlicher Druck interpretiert wird. Eine Strategie des ‚I _ gay‘, das heißt der Zurückweisung der identitären Relation zwischen homosexueller Sichtbarkeit und dem eigenen Selbst, wird vor diesem Hintergrund in ihrer subjektiven Bedeutung und in ihren politischen Implikationen diskutiert.</p> Folke Brodersen Copyright (c) 2020 Folke Brodersen http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/124 Do, 23 Jul 2020 09:33:57 +0200 Die Konstruktion von Solidarität über Differenzen hinweg in feministischen Begegnungen https://opengenderjournal.de/article/view/72 <p>In diesem Artikel diskutiere ich, wie in der Begegnung zwischen heterogenen sozialen Bewegungen Solidarität über Differenzen hinweg geschaffen werden kann. Ausgehend von den Theorieproduktion postkolonialer Feminist*innen und einer Analyse von zwei lateinamerikanischen Bewegungstreffen entwickle ich drei Aspekte der Solidarität über Differenzen hinweg: die Anerkennung der Intersektionalität verschiedener Kämpfe, die Anerkennung des "unmapped common ground" als Grundlage für die Zusammenarbeit und Imagination als Modus zur Überbrückung der Kluft zwischen sich und der Anderen. Anhand der Diálogos – einem Treffen zwischen urban-feministischen, Frauen- und Anti-Bergbau-Bewegungen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen – und dem 13. Feministischen Lateinamerikanischen und Karibischen Treffen zeige ich auf, wie die diskursive Konstruktion von Differenz mit organisatorischen Entscheidungen und dem hegemonialen Verständnis von Differenz zusammenfiel, um die Räume zu formen, in denen Solidarität über Differenzen hinweg geschaffen werden konnte.</p> Johanna Leinius Copyright (c) 2020 Johanna Leinius http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/72 Do, 28 Mai 2020 10:17:10 +0200 „Sexualpolitik im Sinne der LSBTTIQ“? https://opengenderjournal.de/article/view/82 <p class="Text1CxSpFirst"><span lang="DE">Im Herbst 2013 wurde ein Arbeitspapier der baden-württembergischen Landesregierung öffentlich, aus dem die Absicht hervorging, ‚sexuelle Vielfalt‘ als Querschnittsthema in allen Unterrichtsfächern einzuführen. Dieses Vorhaben zog eine Reihe von Protesten nach sich: Fast 192.000 Bürger*innen unterzeichneten eine Petition gegen die geplante Bildungsplanreform; von Februar 2014 bis Februar 2016 gingen regelmäßig Tausende auf die Straßen, um gegen „Genderideologie und die Sexualisierung unserer Kinder per Bildungsplan“ (Demo für alle 2014) zu demonstrieren.&nbsp;</span><span lang="DE">In diesem Beitrag analysiere ich sowohl das Arbeitspapier als auch die Petition aus einer diskursanalytischen Perspektive. Konkret arbeite ich heraus, wie Wissen über Geschlecht und Sexualität in den beiden Dokumenten re_produziert und transformiert wird. Es zeigt sich, dass sich die Petition einer eindeutig ‚antigenderistischen‘ Rhetorik bedient. Aber auch die LSBT*I*Q-Repräsentationen im Bildungsplanentwurf sind durchaus ambivalent. Beide Dokumente tragen trotz ihrer gegensätzlichen Intentionen zur Re_Produktion einer heteronormativen Ordnung bei.</span></p> <p>&nbsp;</p> Frauke Grenz Copyright (c) 2020 Frauke Grenz http://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/82 Fr, 15 Mai 2020 00:00:00 +0200 Wie offen sind Schweizer Fachhochschulen für Studierende mit Migrationshintergrund? https://opengenderjournal.de/article/view/110 <p>Bis jetzt ist weitgehend unbekannt, inwieweit Fachhochschulen der Schweiz heute Frauen und Männern mit Migrationshintergrund gleiche Studienvoraussetzungen bieten können. Dieser Beitrag geht dieser Frage auf der Basis einer im Jahr 2018 durchgeführten Online-Befragung von 4189 Bachelor-Studierenden an zwei großen Schweizer Fachhochschulen sowie einer Pädagogischen Hochschule der Westschweiz nach. In vier Fachbereichen (Technik, Soziale Arbeit, Pädagogik sowie Wirtschaft/Dienstleistungen) wurden Studentinnen und Studenten mit und ohne Migrationshintergrund zu ihrer Wahrnehmung der Zugangsbedingungen zum Studium, zu spezifischen Aspekten des Hochschulumfeldes sowie zu ihrer Studienzufriedenheit befragt. In allen Fachbereichen fallen die Aussagen von Studentinnen mit Migrationshintergrund am wenigsten positiv aus. In drei von vier der hier untersuchten Fachdisziplinen erscheinen die Studienbedingungen bis jetzt noch in erster Linie auf Männer ohne Migrationshintergrund zugeschnitten. Die Resultate zeigen, dass Schweizer Fachhochschulen noch deutlich mehr in die Förderung von Diversität investieren müssen, um egalitäre Studienbedingungen zu gewährleisten.</p> Brigitte Liebig, Birgit Schmid Copyright (c) 2020 Brigitte Liebig, Birgit Schmid https://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/110 Mo, 20 Apr 2020 09:59:09 +0200 Intime Arbeit – prekäre Körper? https://opengenderjournal.de/article/view/89 <p>Dass Arbeit eine verkörperte Praxis ist, wird bisher arbeitssoziologisch und geschlechtertheoretisch wenig beleuchtet. Mit dem Begriff der Körperarbeit wird in dem Beitrag das Verhältnis von Arbeit und ihren Verkörperungen neu konzeptualisiert, wodurch auch das Verständnis von Prekarität feminisierter Arbeit geschärft wird.&nbsp;Körperarbeit wird dafür in drei analytischen Dimensionen skizziert: (1) Körperarbeit ist Arbeit, die Körper auf unterschiedliche Weise herstellt, einbezieht, fordert und verletzbar macht. (2) Arbeiten am Körper anderer nehmen zu, sind weithin vergeschlechtlicht und abgewertet und zugleich von Dienstleistungslogiken durchzogen. (3) Die Notwendigkeit, am eigenen Körper zu arbeiten und diesen aufs Neue als Arbeitskraft herzustellen, stellt sich besonders in vergeschlechtlichen Feldern intimer Arbeit. Diese Dimensionen analysieren wir durch das Zusammendenken zweier ethnografischer Forschungsprojekte in vergeschlechtlichten Arbeitsbereichen – Kosmetik-, Pflege- und Reinigungsarbeiten.</p> Käthe von Bose, Isabel Klein Copyright (c) 2020 Käthe von Bose, Isabel Klein https://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/89 Mi, 18 Mär 2020 18:15:45 +0100 Queering Feminist Solidarities https://opengenderjournal.de/article/view/71 <p>Auf dem Höhepunkt der internationalen Sichtbarkeit von #metoo wurde auf Facebook eine Liste mit den Namen angesehener indischer Akademiker veröffentlicht, denen sexualisierte Belästigung vorgeworfen wurde. Die Liste war nicht nur insofern umstritten, als sie zu einem viralen Phänomen wurde (und damit zu einem Streitpunkt in der Frage nach der Legitimität von Internet-Kulturen im politischen Handeln), sondern auch, weil die Anschuldigungen keine Kontextualisierung der Umstände der angeblichen Verbrechen enthielten, um die Anonymität der Opfer zu schützen. Die Liste wurde schnell als "die Liste des Naming and Shaming" bezeichnet und stieß in der feministischen Bewegung selbst auf heftigste Kritik, da etablierte Feminist*innen öffentlich gegen solche Methoden und gegen Raya Sarkar, die queere Dalit, die das Dokument veröffentlicht hat, argumentierten. Der Artikel untersucht diese Solidaritätskonflikte als Konflikte zwischen transnationalen und lokalen Positionierungen und argumentiert für die Möglichkeit digitaler Räume als Umgebungen, die zu einem <em>queering</em> von Identitätspolitik, dem Ermöglichen konstruktiver Uneinigkeiten und transformativer Gerechtigkeit einladen, statt nur zu Konflikten und deren Lösung durch eine homogene feministische Identität.</p> Sara Morais dos Santos Bruss Copyright (c) 2020 Sara Morais dos Santos Bruss https://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/71 Mi, 18 Mär 2020 18:13:42 +0100 Die "Do-it-all“-Mutter - Diskursive Strategien und post-feministische Allianzen in Elternzeitschriften https://opengenderjournal.de/article/view/75 <p>Der Artikel analysiert diskursive Strategien in aktuellen deutschen Elternzeitschriften. Es wird beobachtet, dass "Mutterschaft" zugleich mit konservativen Geschlechterrollen verbunden ist und in einen individualistischen postfeministischen Diskurs eingebettet ist. Es wird gezeigt, wie die analysierten Texte konservative Modelle von Mutterschaft und Geschlecht, insbesondere in Bezug auf die Mutter-Kind-Beziehung, die Frage der "Kompatibilität" von unbezahlter und bezahlter Arbeit und geschlechtsspezifischen Elternstellungen, in eine modern scheinende Rhetorik einkleiden. Durch die diskursiven Strategien und Allianzen werden die politischen und strukturellen Dimensionen von Care-Arbeit, Geschlechtergerechtigkeit und intersektionalen Aspekten durch den individualistischen Diskurs verdeckt. Diese Entpolitisierung wird ans Licht gebracht und damit Raum für neue feministische Perspektiven der Mutterschaft geschaffen.</p> Leila Zoë Tichy, Helga Krüger-Kirn Copyright (c) 2019 Leila Zoë Tichy, Helga Krüger-Kirn https://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/75 Do, 19 Dez 2019 11:50:06 +0100 Sexualität und Mobilität – Migrantinnen in Nord-Süd-Verhältnissen https://opengenderjournal.de/article/view/58 <p>Der Beitrag lotet das Verhältnis von Sexualität, Gender und Migration aus der Perspektive des Globalen Südens aus und adressiert damit Engführungen in der geschlechterbezogenen Migrationsforschung. Anhand von Forschungen zu bolivianischen Migrantinnen und im Sextourismus tätigen brasilianischen Frauen zeichnet der Beitrag die Bedeutung lokaler Kontexte und der Nord-Süd-Verhältnisse für die Migration und das Leben in Europa nach. Ausgehend von den Erfahrungen der Interviewten und im Anschluss an körperpraxeologische Ansätze wird untersucht, wie die Frauen Körperpraktiken und sexualisierte sowie exotisierende Repräsentationen gezielt für räumliche und soziale Mobilität einsetzen. Mit Bezug auf queertheoretische und dekoloniale Perspektiven werden nicht nur die durch Mobilitätsstrategien erzielten Handlungsspielräume der Interviewten, sondern auch die normative Bedeutung rassifizierter und klassistischer Sexualitätskonzepte für die Konstitution von Grenzregimen und ihrer gewaltvollen Effekte aufgezeigt.</p> Johanna Neuhauser, Katherine Braun Copyright (c) 2019 Johanna Neuhauser, Katherine Braun https://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/58 Do, 31 Okt 2019 09:14:07 +0100 Unsichtbarkeitsfelder stören – Die Provinzialisierung von 'Western Code' trans*-Narrativen https://opengenderjournal.de/article/view/24 <p>In diesem Beitrag stellen wir ‚Western Code‘ trans*-Narrative in Frage, indem wir das koloniale Projekt der Medikalisierung, Pathologisierung und Disziplinierung von trans* Körpern beleuchten. Wir untersuchen zunächst verschiedene Kontrollsysteme – Biologisierung, Zeitlichkeit, Klassifizierung und Pathologisierung – die in Bezug auf (trans*)gender in ‘Western codes’ wirken. Danach befassen wir uns mit Aspekten trans*spezifischer Gesundheitsversorgung und ihres kolonialen Erbes. In beiden Abschnitten konzentrieren wir uns dabei auf „Unsichtbarkeitsfelder“ (in Deutschland und Südafrika) – die verborgenen Machtstrukturen, die das koloniale Projekt als das Problem anderer Leute verschleiern. In dem Versuch „Western Code“ trans* Narrative zu provinzialisieren und zu unter_brechen eröffnen wir am Ende alternative Erzählungen und Geschichten des Widerstands.</p> Marek Sancho Höhne, Thamar Klein Copyright (c) 2019 Thamar Klein, Marek Sancho Höhne https://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/24 Di, 25 Jun 2019 10:43:34 +0200 Geschlecht als Sublimierung. Zur Rolle des Begehrens für die Subjektformation https://opengenderjournal.de/article/view/33 <p>J. Butler hob mit S. Freud die <em>Identifizierungen</em> des Kindes hervor (<em>Psyche der Macht, </em>2001), wobei sie geschlechtliche Identität als Produkt einer melancholischen Einverleibung der frühen Anderen sichtbar machte. Was aber, wenn man nicht die <em>ödipalen Identifizierungen</em>, sondern das <em>Begehren</em> als bestimmenden Faktor der Vergeschlechtlichung erwägt? Dieser Frage soll mit J. Lacan, der das Begehren als ein strukturelles Vermögen begriff, nachgegangen werden: Dieses entsteht, sobald die mütterliche Bezugsperson durch Symbole substituiert wird, was dem Kind später erlaubt, den inzestuös verbotenen Anderen durch Objekte zu ersetzen. Dieser zweizeitige Prozess rückt die Vergeschlechtlichung in die Nähe zur <em>Sublimierung, </em>wobei Geschlechtliches als eine besondere Form der Sublimierung verstanden werden kann. Dabei erweist sich das Begehren nachhaltiger als die Identifizierungen, da es das Subjekt – jenseits der gefährlichen melancholischen Verstrickungen – zu Drittem in das Soziale führt. Eine derart über das Begehren aufgefasste Geschlechtlichkeit hat nicht zuletzt auch gesellschaftspolitische Relevanz, da <em>Identitäres</em> nicht als zentraler Angelpunkt der Subjektformation aufgefasst werden muss: Geschlechterpolitik wäre damit nicht nur Angelegenheit gleicher Identifikationsgruppen, sondern einer stets auf das Neue herzustellenden Gemeinschaft in Bezug auf den geteilten Wunsch nach lebbarem Begehren in unserer Gesellschaft.</p> Eva Laquieze-Waniek Copyright (c) 2019 Eva Laquièze-Waniek https://creativecommons.org/licenses/by/4.0 https://opengenderjournal.de/article/view/33 Mi, 29 Mai 2019 00:00:00 +0200