„Unmenschliche Akte lesbischer Liebe“

Der Stigmatisierungsprozess von Lesben von der Weimarer Republik zum KZ Ravensbrück

  • Giulia Iannucci Sapienza, University of Rome - Università di Macerata
Schlagworte: Lesbische Liebe, Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Ravensbrück, Stigmatisierung

Abstract

Dieser Beitrag untersucht die Präsenz von Lesben in Deutschland zwischen dem Ende der Weimarer Republik und der Etablierung des Nationalsozialismus. Besonderer Fokus liegt dabei auf der dialektischen Wahrnehmung zwischen Negierung und (Un)Sichtbarkeit, die den Stigmatisierungsprozess charakterisiert, dem lesbische Gefangene im KZ Ravensbrück, dem einzigen Konzentrationslager ausschließlich für weibliche Häftlinge, unterlagen. Während der „Goldenen Zwanziger“ begegnete die Unsichtbarkeit weiblicher Homosexualität im Gesetz der tatsächlichen Präsenz lesbischer Frauen in der Weimarer Gesellschaft, Kultur und Kunst. Nach Adolf Hitlers Machtübernahme blieb weibliche Homosexualität unkriminalisiert, allerdings wurden Lesben mit „unorthodoxen“ Mitteln verfolgt und in Konzentrationslagern interniert: Offizieller Grund für die Inhaftierung von Lesben war Asozialität. Somit wurde Lesbentum innerhalb eines neuen (vergessenen) Umgebung kontextualisiert, in der die Rolle von Frauen durch ein patriarchales System manipuliert wurde, dessen Ziel Standardisierung, Normalisierung und Untedrückung von „unwerten Lebensweisen“ war. Die meisten davon bleiben weiterhin unsichtbar.

Autor/innen-Biografie

Giulia Iannucci, Sapienza, University of Rome - Università di Macerata

Giulia Iannucci hat Germanistik und Anglistik an der Sapienza, Università di Roma und Critical Methodologies am King’s College, London, studiert. Im Februar 2017 hat sie ihre Dissertation über Die Topographie der Homosexualität in der Weimarer Republik an der Sapienza, Università di Roma, verteidigt. Nach zwei Forschungsaufenthalten (2018 und 2019) als Stipendiatin im Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) arbeitet sie jetzt als Dozentin an der Università degli Studi di Macerata (seit 2018) und als wissenschaftliche Mitarbeiterin (PostDoc) an der Sapienza, Università di Roma. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: die Deutsche Literatur und Kultur in Verbindung mit dem Ersten Weltkrieg, der Weimarer Republik, der Nazizeit, den Gender Studies (Männlichkeit, Weiblichkeit, Homosexualität), den Urban Studies, sowie die 'Neue Rechte' in zeitgenössischer ostdeutscher Literatur.

Cover of the 10th European Feminist Research Conference: An iridescent crinkled texture in shades of red and green
Veröffentlicht
2021-01-26
Zitationsvorschlag
Iannucci, G. (2021). „Unmenschliche Akte lesbischer Liebe“: Der Stigmatisierungsprozess von Lesben von der Weimarer Republik zum KZ Ravensbrück. Open Gender Journal, 5. https://doi.org/10.17169/ogj.2021.69
Rubrik
10th European Feminist Research Conference in Göttingen (2018)