Queering Feminist Solidarities

#Metoo, LoSHA and the Digital Dalit

  • Sara Morais dos Santos Bruss Univ. Potsdam
Schlagworte: Postkolonialismus, Feminismus, Soziale Medien, Intersektionalität, Sexuelle Belästigung

Abstract

Auf dem Höhepunkt der internationalen Sichtbarkeit von #metoo wurde auf Facebook eine Liste mit den Namen angesehener indischer Akademiker veröffentlicht, denen sexualisierte Belästigung vorgeworfen wurde. Die Liste war nicht nur insofern umstritten, als sie zu einem viralen Phänomen wurde (und damit zu einem Streitpunkt in der Frage nach der Legitimität von Internet-Kulturen im politischen Handeln), sondern auch, weil die Anschuldigungen keine Kontextualisierung der Umstände der angeblichen Verbrechen enthielten, um die Anonymität der Opfer zu schützen. Die Liste wurde schnell als "die Liste des Naming and Shaming" bezeichnet und stieß in der feministischen Bewegung selbst auf heftigste Kritik, da etablierte Feminist*innen öffentlich gegen solche Methoden und gegen Raya Sarkar, die queere Dalit, die das Dokument veröffentlicht hat, argumentierten. Der Artikel untersucht diese Solidaritätskonflikte als Konflikte zwischen transnationalen und lokalen Positionierungen und argumentiert für die Möglichkeit digitaler Räume als Umgebungen, die zu einem queering von Identitätspolitik, dem Ermöglichen konstruktiver Uneinigkeiten und transformativer Gerechtigkeit einladen, statt nur zu Konflikten und deren Lösung durch eine homogene feministische Identität.

Autor/innen-Biografie

Sara Morais dos Santos Bruss, Univ. Potsdam

Sara Morais dos Santos Bruss ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kulturwissenschaft an der Universität Potsdam. Nach einem Studium der Kultur- und Medienwissenschaft an der Leuphana Universität Lüneburg beschäftigt sie sich zunehmend mit dem Zusammenhang post-kolonialer und feministischer Bewegungen im Zeichen „Digitaler Kulturen“. Ihre Dissertation zu den Ambivalenzen und Möglichkeiten digital bedingter transnationaler Solidaritäten befasst sich mit intersektionalen digitalen Feminismen in Indien und Deutschland und beschreibt eine post-koloniale Genealogie der digitalen Moderne. Sara ist organisatorisches Mitglied der Projektgruppe Storytelling after Haraway am diffrakt: Zentrum für theoretische Peripherie und Redakteurin bei kritisch-lesen.de

Veröffentlicht
2020-03-18
Zitationsvorschlag
Morais dos Santos Bruss, S. (2020). Queering Feminist Solidarities: #Metoo, LoSHA and the Digital Dalit. Open Gender Journal, 4. https://doi.org/10.17169/ogj.2020.71
Rubrik
10th European Feminist Research Conference in Göttingen (2018)